Der Lusttöter

Das Töten ist des Jägers Lust

Das Töten ist des Jägers Lust

"Jagd - weil sie uns Genuss und Lust bereitet"

Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche räumt in seinem Buch Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen (Neumann-Neudamm, 2012) mit den gängigen Begründungen und Rechtfertigungen für die Jagd auf, die da sind: Jäger als Ersatz für Großraubwild, Jäger als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, Jäger als Naturschützer und Biotop-Pfleger, Waidgerechtigkeit... Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen, so der jagende Rechtsanwalt. Und er gibt offen zu:

»Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen, als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Deren Anforderungen regeln höchstens, wie wir jagen, nicht aber ob wir es tun.«
Und weiter: »Wir verwechseln zu gern die erfreulichen und wichtigen Begleiterscheinungen, die unser Tun rechtfertigen sollen, mit dessen wirklichen Gründen.
Sex haben wir, weil er uns Lust und Genuss bereitet.
Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.«

Der Jäger Dr. Florian Asche bekennt sich zum Archaischen: Der Jagdtrieb sei wie der Sexualtrieb in unserem Reptiliengehirn und im Limbischen System angelegt. Diese Triebe auszuleben sei wichtig für die seelische Gesundheit.

"Keine Angst vor der Lust"

In der Jägerzeitschrift WILD UND HUND Nr. 24/2003 wird in einem Artikel mit der Überschrift »Keine Angst vor der Lust« über die Doktorarbeit eines Jägers berichtet: »Beim Erlegen des Wildes erleben Jäger einen Kick und zu dem sollten sie sich bekennen... Wichtig ist... die Tatsache, dass er (= der Jäger) selbst irgendwann sterben wird. In dieser Gewissheit vernichtet der Jäger das Leben eines wilden Tieres. Dabei verschafft er sich unbewusst das Gefühl, die Natur mit ihrer beängstigenden Todesgewissheit zu beherrschen. So ist also die häufig kritisierte ‚Lust am Töten' laut Kühnle nichts anderes als ein ‚hingebungsvolles Streben nach Überwindung des Todes durch Naturbeherrschung'... Dem Jäger geht es nicht um die Vernichtung eines speziellen Tieres, an das er sich herangepirscht hat. Er erlebt aber seinen emotionalen Erfolg, den Kick, nur, wenn es ihm gelingt, das Leben eines speziellen Tieres zu vernichten...«

Auf der Jahrestagung vom »Forum lebendige Jagdkultur «beschreibt Prof. Dr. Gerd Rohmann unter dem Titel: »Neue Gedanken zur Lust an der Lust zwischen Erleben und Erlegen« das Jagderlebnis unter anderem wie folgt: Er spricht von der »Lust zum Beutemachen...« und stellt hierzu fest: »Die Triebbefriedigung dieser Art wird nicht bloß mit Lust erstrebt, sie wird auch im Akt und nach diesem mit Lust erlebt. Diesen hierbei ablaufenden emotionalen Prozess wollen wir mit Lust bzw. mit Freude, seine Aktivitätsmerkmale mit Passion bzw. mit Leidenschaft bezeichnen.« Auch Rohmann spricht vom »Kick« (erlebt im Akt des Erlegens, Tötens): »Denn darin, dass wir das Naturding Wild töten und dabei einen exorbitanten Lusteffekt erleben, erweist es sich empirisch, dass wir etwas ganz Besonderes in unserem Inneren erfahren... Mit der Jagd ist es ähnlich wie mit der Liebe: Das erotische Erleben liegt auf dem Weg zum Höhepunkt. Das Ziel liegt nämlich nicht im schnellen Schuss, sondern im Erstreben und Erleben eines gemeinsam erreichten anhaltenden Höhepunktes. Der sexuelle Orgasmus wird in einer Metapher der französischen Sprache auch ‚La petite mort' genannt... Den emotionalen Höhepunkt seiner Jagd, den Kick, erlebt der Jäger immer dann, wenn er den todbringenden Schuss auslöst und er erlebt ihn auch, wenn das Wild nicht sofort tödlich getroffen den Schuss zwar ‚quittiert', aber entflieht...«

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